Pressenachlese: Bei der Rente gehen die Emotionen hoch (Schwäbische Zeitung Biberach, 26.2.2014)

Martin Gerster und Anette Kramme

Martin Gerster und Anette Kramme

SPD-Staatssekretärin Anette Kramme muss sich bei ihrem Vortrag der Bürgerkritik stellen
Von Gerd Mägerle

BIBERACH – „Das Rentenpaket – viel drin, viel dran!“ Unter diesem Motto hat Anette Kramme, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, am Donnerstag in der Biberacher Volksbank rund zwei Stunden über die Rentenpläne der Großen Koalition referiert und mit den rund 60 Besuchern diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass sich längst nicht alle Bürger gerecht behandelt fühlen, wenn es um das Thema Altersversorgung geht.

Mehr als eine Stunde hatte Anette Kramme bereits detailreich über die verschiedenen Aspekte von Rente mit 63,Mütterrente und Erwerbsminderungsrente gesprochen, als es aus einer älteren Frau herausbrach. „Wo bleiben die, die ihr ganzes Leben hart gearbeitet haben?“, rief sie der Staatssekretärin zu.Wenn sie in vier Jahren in Rente gehe, blieben ihr nach 50 Arbeitsjahren nach allen Abzügen gerade einmal 750 Euro. Ob das denn gerecht sei, fragte die Frau. Besonders ärgere sie sich darüber, dass sie für ihre betriebliche Altersvorsorge ebenfalls noch Beiträge abführen müsse.

Nur ein kleiner Trost

Es war das erste Mal an diesem Nachmittag, dass auch die Staatssekretärin ratlos wirkte. Die Beitragspflicht für Betriebsrenten werde man nicht wegbekommen. „Und was die Höhe der späteren Rente angeht, so muss man berücksichtigen, was man im Arbeitsleben eingezahlt hat“, fügte sie hinzu. Für die Betroffene nur ein kleiner Trost. Dieses Beispiel lehre, dass gerechte Löhne auch eine Verantwortung der Arbeitgeber seien, meinte einer der Anwesenden.

Dass das Thema Rente nicht nur emotional, sondern auch hochkomplex ist, hatte Kramme, die auf Einladung des hiesigen SPD-Abgeordneten Martin Gerster nach Biberach gekommen war, ausführlich dargestellt. Vieles werde derzeit diskutiert, allerdings müsse man beachten, dass das Rentenpaket noch nicht vom Bundestag beschlossen sei. „Ich rate jedem von überstürzten Schritten ab, was die eigene Rente betrifft“, sagte sie zu den Besuchern. Zunächst solle man abwarten, was beschlossen wird.

Auch bei der Rente sei es in der Großen Koalition ein Geben und Nehmen, wie die
Staatssekretärin verdeutlichte.Während sich die Union bei der Mütterrente durchgesetzt habe, gehe die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren sowie der Mindestlohn auf das Konto der SPD.Mit all diesen Maßnahmen könnten Ungleichheiten abgemildert werden, wenngleich es keine komplette Gerechtigkeit für alle gebe.

Warum werden bei der Mütterrente Kinder, die vor 1992 geboren wurden, anders angerechnet als nach 1992 geborene?Was wird als Beitragszeit angerechnet?Warum gelten die Regelungen nicht für Bestandsrenten? Diese und andere Fragen trieben die Besucher um. „Jede Rentenregelung schafft Ungerechtigkeiten“, sagte Kramme.

Ärger über „Negativdebatte“

Die große Verunsicherung der Menschen spüren auch die ehrenamtliche Berater der Deutschen Rentenversicherung wie Gabriele Kübler, SPD-Fraktionsvorsitzende im Biberacher Gemeinderat. Seit rund 30 Jahren berät sie Versicherte bereits und ärgert sich über die „Negativdebatte“, die zur Rente derzeit geführt wird. „Wir sollten es tunlichst vermeiden, eine Kluft zwischen den Generationen aufzumachen“, riet sie den Anwesenden.

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