Kultusminister Andreas Stoch macht Schulpolitik verständlich

LAUPHEIM (zel) – Eine schon fast überfüllte Mensa der Friedrich-Uhlmann-Werkrealschule hat jetzt eine außergewöhnliche Veranstaltung erlebt. Auf Einladung des Biberacher Bundestagsabgeordneten und SPD-Kreisvorsitzenden Martin Gerster hatte sich der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch den Fragen von rund 250 Gästen gestellt. Zum Abschluss würdigte Gerster für die Kreis-SPD das Engagement der Initiativen „Schulranzen für Bosnien“ und „Kinderbörse Laupheim“. Minister Stoch gratulierte als Erster.

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Kultusminister Andreas Stoch bei seinem Vortrag in Laupheim

Zumeist Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten aus dem gesamten Schulamtsbezirk Biberach hatten sich eingefunden, um ihrem obersten Dienstherren zu lauschen und danach vertieft auf den Zahn zu fühlen. Stoch benannte in seinem kurzen Vortrag klar die neue Politik der grün-roten Landesregierung: „Wir nehmen die Verantwortlichen vor Ort in den Entscheidungsprozessen mit, auch wenn wir immer wieder hinter vorgehaltener Hand hören, eine Entscheidung von oben herab wäre so manchem lieber gewesen, um dann sagen zu können: Die in Stuttgart waren es.“ Mitwirkung sei vor allem wichtig in der Bildungspolitik in einer Zeit, in der die Schüler- und Schulstandortzahlen einerseits zurückgingen, andererseits die Verschiedenheit der Schüler und die Anforderungen ans Lehrpersonal ständig wüchsen. „Deshalb braucht es eine regionale Schulpolitik und wir werden die Lehrerzahl nicht den Schülerzahlen entsprechend senken können“, stellte der Minister klar. Er deutete damit an, dass die vielfach genannten 11.600 bis zum Jahr 2020 abzubauenden Lehrerstellen wohl nicht Wirklichkeit werden – auch deshalb nicht, weil es im Land 40.000 Schüler mehr gibt als ursprünglich prognostiziert: „Hier rechnen wir gerade neu.“

Bestmögliche Förderung

Weitere Herausforderungen, wie die Einbeziehung behinderter Kinder in den Regelunterricht oder 15 Prozent jedes Jahrgangs ohne Schulabschluss und/oder Ausbildungsvertrag, lassen für den Heidenheimer Landtagsabgeordneten nur den Schluss zu: „Die größten Anstrengungen müssen im Bildungsbereich gemacht werden, um jedem Kind und Jugendlichen die bestmögliche Entfaltung seiner Fähigkeiten zu verschaffen.“

Ein wesentlicher Schritt dahin ist für Grün-Rot die Gemeinschaftsschule mit verpflichtendem Ganztagsangebot an drei, besser vier Tagen die Woche und langfristig 40 Schülern pro Jahrgang. „So handeln wir effizient im Sinne der Steuerzahler, denn sobald das Angebot da ist, wird es von den Eltern angenommen, ist unsere Erfahrung.“ So gewährleiste nicht die reine Betreuung, sondern eine ganztags rhythmisierte Lernstruktur in Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen und Musikschulen individuelle Talentförderung und Lernerfolg, sagte Stoch, und erwiderte damit die Aussagen im Grußwort von Laupheims Bürgermeister Rainer Kapellen, der die Landesvorgaben für künftige Gemeinschaftsschulen als zu starr bezeichnet hatte.

Krankheitsbedingter Unterrichtsausfall fast halbiert

Vor Stochs Redebeitrag hatte Schulamtsleiter Wolfgang Mäder in Schaubildern die regionale Schulsituation deutlich gemacht: „Nie war die Lehrerversorgung bei uns so gut wie dieses Schuljahr.“ Der Minister seinerseits untermauerte dies damit, dass seit 2011 mit mehr Stellvertretungen für kranke Lehrkräfte der Unterrichtsausfall auf heuer gut zwei Prozent fast halbiert wurde. Das Ministerium prüft zudem, ob schuljährig angestellte Vertretungslehrer weiterhin im Sommer entlassen werden müssen: „Da kann es die Billigkeit ermöglichen, die Kollegen auch in den Ferien zu behalten.“

Dies hielt Diskussionsteilnehmer nicht davon ab zu beklagen, dass bezahlte Zusatzangebote an Gymnasien zurückgefahren wurden und die Stundenermäßigung für ältere Lehrer zwei Jahre später einsetzt: „Ohne mich wäre diese Ermäßigung ganz entfallen“, entgegnete Stoch. „Auch bei den Berufsschulen stellen wir verstärkt Lehrkräfte ein, zur Freude von Handwerk und Industrie“, so Stoch. Sein Fazit: „Wir als neue Landesregierung handeln, denn zu lange ist nichts passiert.“

Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch Initiativen aus Laupheim geehrt, die sich für junge Menschen engagieren. So wie die Aktion „Schulranzen für Bosnien“, die in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik hilft, die oft mangelhafte Schulausstattung zu verbessern.

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Martin Gerster (links) und Andreas Stoch (rechts) gratulieren der Initiative „Schulranzen für Bosnien“ zur Ehrung

Eine weitere Auszeichnung ging an die Initiatorinnen der „Laupheimer Kinderbörse“, die versucht, über Einnahmen aus einem Tauschhandel für Kinderbekleidung etc., Gelder für gemeinnützige Zwecke zu gewinnen.

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Martin Gerster und Andreas Stoch mit den Initiatorinnen der „Laupheimer Kinderbörse“

Im Anschluss an die Veranstaltung überreichte Martin Gerster dem Minister eine Schultüte – natürlich in rot.

Kultusminister Andreas Stoch und Martin Gerster

Kultusminister Andreas Stoch und Martin Gerster

 

 

 

 

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