Ivo Gön­ner beim „Po­li­ti­schen Mar­ti­ni“

Kreis-SPD sucht in Wolfegg Wege der Erneuerung

In der Schwäbischen Zeitung Ravensburg berichtete Sybille Glatz am 17. November:


Ivo Gönner (2. v. r.), SPD-Kommunalpolitiker und von 1992 bis 2016 Oberbürgermeister in Ulm, erzählte beim „Politischen Martini“ der SPD in Wolfegg Geschichten aus seiner Amtszeit und bekam anschließend von MdB Martin Gerster, der SPD-Kreisvorsitzenden Heike Engelhardt und Wolfeggs Bürgermeister Peter Müller (v. r.) ein Geschenk.  Foto: Oliver Hofmann

Wolfegg – Auf Einladung des SPD-Kreisverbandes Ravensburg und des Biberacher Bundestagsabgeordneten Martin Gerster ist der langjährige Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner nach Wolfegg gekommen. Gönner war dieses Jahr Hauptredner beim „Politischen Martini“ der SPD.

Seit über zwanzig Jahren lädt der SPD-Kreisverband jedes Jahr um den 11. November herum, dem Tag des heiligen Martin, zum politischen Austausch in den Gasthof Post nach Wolfegg ein. Die Frage, warum ausgerechnet der Martinstag als Fixpunkt gewählt wurde, beantwortete Gerster humorvoll: „Es liegt weder an meinem Vornamen noch an Martin Schulz.“ Der Tag des heiligen Martin sei schon früher im landwirtschaftlichen Kalender ein Tag des Innehaltens gewesen, des Rückblicks auf das vergangene Jahr und des Vorausblicks auf das kommende. Und eine Gelegenheit, um „Dampf abzulassen“.

Überdurchschnittlicher Zuwachs an Neumitgliedern

Rund 40 Gäste waren zu der traditionsreichen Veranstaltung gekommen, darunter der Wolfegger Bürgermeister Peter Müller und einige Gemeinde- und Kreisräte. Und Neumitglieder der SPD. Dass die SPD nach der Bundestagswahl 20 000 neue Mitglieder gewonnen habe, nannte Gerster „ermutigend“. Auch der Kreisverband Ravensburg konnte sich laut seiner Vorsitzenden Heike Engelhardt über einen überdurchschnittlichen Zuwachs an Neumitgliedern freuen.

„Gerechte Gesellschaft – Heimat für alle“ – so lautete der Titel von Ivo Gönners Rede. Wer ideologische Höhenflüge und die Beantwortung der Frage erwartet hatte, was denn unter einer „gerechten Gesellschaft“ zu verstehen sei, wurde enttäuscht. Gönner richtete seinen Blick nicht in die Höhen politischer Programme, sondern nach unten: auf die kommunalpolitische Basis. Mit feinem schwäbischem Humor und kurzweiligen Erzählungen skizzierte er die Herausforderungen der Kommunalpolitik, egal ob es um Ganztagebetreuung an Grundschulen, den Breitbandausbau oder die Aufnahme von Flüchtlingen gehe: Entschieden werde in Berlin oder Stuttgart, aber umgesetzt in den Städten und Gemeinden. Die Anerkennung für die ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitiker halte sich jedoch in Grenzen. Und nach jeder Entscheidung gebe es eine unmittelbare Rückmeldung aus der Bevölkerung.

Gönner, der von 1992 bis 2016 als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt Ulm mitgeprägt hatte, veranschaulichte dies mit Geschichten aus seiner Amtszeit. Manches Mal sei er schon morgens vom Metzger mit den Worten empfangen worden: „Was hond ihr geschtern do wieder für an Scheiss entschiede?!“ Und wenn er abends in der Tagesschau glückliche Bundespolitiker gesehen habe, die freudestrahlend irgendeinen Erfolg verkündeten, wusste er: „Des badet mir in de Kommune aus.“

Ein nachahmenswertes Vorbild für Politiker sah Gönner im heiligen Martin, den er als „ersten Sozialdemokraten“ bezeichnete. Dieser habe den Bettler gesehen, seinen Mantel geteilt, habe aber hinterher auch die Verantwortung für sein Handeln übernommen.

Sozialpolitik als Leiter, nicht als Aufzug

Um zu verdeutlichen, was er unter Sozialpolitik verstehe, benutzte Gönner das Bild einer Leiter: „Wir stellen sie hin, aber die Leut müssen selbst hochsteigen. Sonst hätten wir ja einen Aufzug hingestellt. Und wenn jemand, aus welchem Grund auch immer, selbst nicht hochsteigen kann, stellen wir dem einen Begleiter an die Seite.“

Gönner forderte die Zuhörer auf, bei den anstehenden Kommunalwahlen 2019 auch bewusst Nicht-Mitglieder auf die SPD-Listen zu setzen. „Wir müssen den Menschen, die zu uns kommen, ein Angebot machen, und zwar nicht nur jetzt, weil gerade Wahlen sind, sondern um mit ihnen in Kontakt zu bleiben.“ Die Menschen einladen, sie aktivieren für die Demokratie und für ihre Gemeinden, so lautete sein Ratschlag für eine Erneuerung der Partei.

Bei den Zuhörern stießen Gönners Rede und seine Vorschläge nicht nur auf Zustimmung. In der anschließenden Diskussion wurden auch kritische Stimmen laut. So wurde bemängelt, dass es in der Partei keinen politischen Diskurs mehr gebe und dass man nicht mehr wisse, wofür die SPD eigentlich stehe. Und: „Die SPD braucht wieder ein Profil“, so ein langjähriges Mitglied.

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr erfahren.

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close