Hei­ke En­gel­hardt will für die SPD in den Bun­des­tag

    55-Jährige erhielt 29 von 32 möglichen Stimmen – „Mehr Gerechtigkeit wagen“

    In der Schwäbischen Zeitung Wangen berichtete Susi Webwer am 28. November:

    Bundestagsabgeordneter Martin Gerster und Ingrid Staudacher, stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Ravensburg (rechts), gratulierten Heike Engelhardt zu deren Nominierung als Kandidatin für die Bundestagswahl 2017. Foto: Oliver Hofmann

    Leupolz – Seit Samstag und der Nominierungsversammlung in Leupolz hat nun auch die SPD ihre Kandidatin für den Wahlkreis 294, Ravensburg, gefunden. Heike Engelhardt warb – erfolgreich – darum, der Region Südsüdwürttemberg im 19. Bundestag „eine Stimme in Berlin“ geben zu können. Sie sprach sich deutlich für eine gerechtere Gesellschaft, für Gleichberechtigung und für Haltung und Abgrenzung gegenüber den „Feinden der Demokratie“ aus. Mehr als 90 Prozent votierten – bei zwei Enthaltungen und einer Nein-Stimme – für Engelhardt.

    „Warum willst du dir das antun?“

    Knapp 20 Minuten Redezeit, gut zehn Minuten für Nach- und Rückfragen – auch die auf 30 Minuten beschränkte Vorstellungszeit gehörte zu jenem Prozedere, über das die wahlberechtigten SPD-Mitglieder abzustimmen hatten. 39 SPD-Mitglieder waren nach Leupolz gekommen, 32 davon aufgrund der Voraussetzungen (deutsche Staatsbürgerschaft, volljährig, Wohnsitz im Wahlkreis 294) stimmberechtigt.

    „Warum willst du dir das in Zeiten von Trump, Le Pen, Wilders, Orban, Kaczynski und anderen antun?“ Diese Frage, sagte Engelhardt, höre sie häufiger. Und mit dieser Frage stieg sie auch in jenen Part ihrer Rede ein, für was sie eigentlich stehe. „Ich will kandidieren. Ich will Bundestagsabgeordnete werden“, erklärte Engelhardt. Und weiter: „Weil ich glaube, dass wir mit sozialdemokratischer Politik eine gerechtere Gesellschaft in einem sicheren und friedlichen Deutschland schaffen.“

    Die SPD habe etwas zu sagen, meinte Engelhardt: „Und das ist gut so.“ Gleichzeitig gehe es ihr auch um das Zuhören, um das Reden mit den Menschen, um deren Ängste: „Wir suchen Lösungen für Probleme. Wir verurteilen es scharf, wenn andere durch Ausgrenzung und Verachtung Menschen als Schuldige verteufeln und versuchen, mit Hassparolen unsere Gesellschaft zu spalten. Das ist unanständig und ungerecht.“ Jenen, die Fremde und Minderheiten als Schuldige brandmarken und sich „allen Ernstes als Alternative bezeichnen“, wünschte sie: „Mögen Sie in der Hölle schmoren.“

    Gleichzeitig machte Engelhardt trotz Regierungsbeteiligung klar: „Wir sind nicht die nettere Ausgabe der Union. Wir sind die Partei des Fortschritts. Wir haben den Mut und die Kraft, bestehende Verhältnisse zu hinterfragen.“ Beispielsweise jene der „gerechten Gesellschaft“, der Gleichberechtigung und Gleichstellungspolitik, der eigenen Haltung und Glaubwürdigkeit oder der Vertrauens-Rückgewinnung der Wähler.

    Einen Zehn-Punkte-Plan hat Engelhardt erarbeitet, in dem sie erläutert, was sie unter einer gerechten Gesellschaft versteht. Darunter fallen beispielsweise eine Arbeit, von der man gut leben kann, ein kostenfreies Bildungssystem, eine paritätische Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, ein „Wohlstand, der gerecht verteilt wird, wenn die mit dem höchsten Einkommen am meisten beitragen und das Gemeinwesen stärken.“ Gerechtigkeit, sagte Engelhardt, herrsche dann, „wenn sich Freiheit und Selbstbestimmung mit Demokratie und Solidarität verbinden, wenn Toleranz, Vielfalt und eine Integrationspolitik es neu ankommenden Menschen ermöglichen, Teil unserer Gesellschaft zu werden.“ Engelhardt warb mit den Worten: „Wir müssen mehr Gerechtigkeit wagen.“

    Fragen zu Rente und Integration

    Bei den Fragen ging es dann um Rentengerechtigkeit und um Flüchtlings- und Integrationspolitik. Zu Letzterer meinte Engelhardt, dass es ein Einwanderungsgesetz in Deutschland brauche. Wer aber flüchten müsse, sei kein Einwanderer, sondern bedroht: „Es steht Deutschland nicht an, diese Menschen vor der Tür stehen zu lassen. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass wir eine europäische Lösung brauchen.“ Auf eine endgültige Koalitionsaussage wollte sich Engelhardt nicht einlassen, wenn sie auch betonte: „Ich habe keine Angst vor Rot-Rot-Grün.“

    Ein einstimmiges Votum als Beisitzer zum Kreiswahlausschuss verzeichnete Gerhard Lang. Stellvertreter wurde Jörg Alexander.

    Jour­na­lis­tin, Be­ra­te­rin, Ge­werk­schafts­mit­glied

    Heike Engelhardt wurde 1961 geboren, ist seit 25 Jahren verheiratet, Mutter zweier erwachsener Töchter, evangelisch und lebt in Ravensburg. Beruflich ist die einstige Lehrerin, spätere Volontärin und Redakteurin der „Schwäbischen Zeitung“ in Leutkirch, Laupheim und Ravensburg, systemische Coach- und Prozessberaterin heute am Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg in der Stabsstelle des Geschäftsführers tätig. Dort ist Engelhardt verantwortlich für Führungskräfte-Veranstaltungen und als stellvertretende Beauftragte für Chancengleichheit.

    Seit über 30 Jahren ist sie Gewerkschaftsmitglied, ehrenamtlich engagiert im Städtepartnerschaftsverein Ravensburg, bei „Die Brückenbauer“, im Förderverein für Kinder- und Jugendpsychiatrie Weissenau, für das Inklusionstheater, die Suchthilfe gGmbH, Pro Asyl, BUND und anderes.

    Sie ist Kreisvorsitzende des Arbeitskreises Sozialdemokratischer Frauen, stellvertretende Vorsitzende im SPD-Ortsverein Ravensburg und ab Januar – als Nachrückerin – Gemeinderätin.

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